Die Glocken der Pfarrkirche St. Peter

 

Nach einer Aufstellung von 1785 hingen im Turm der Mutterkirche vier Glocken (28, 18, 12  Zentner und 750 Pfund) sowie die älteste Glocke, das "Silberne Glöckchen", das von der Starkenburg gekommen war.

Von einem besonderen Ereignis berichtet die Zeitung im März 1904: Brauerei Direktor Georg Neff aus Heidenheim, ein gebürtiger Heppenheimer, und dessen Ehefrau Anna hatten eine große Glocke, die Annaglocke, gestiftet. Am 6. März kam die 70 Zentner schwere Glocke aus Hemelingen bei Bremen, wo sie von Glockengießer Otto gegossen worden war, in Heppenheim an. Von acht Pferden gezogen, wurde sie vom Bahnhof zur Kirche geleitet und dort von Dr. Engelhardt geweiht, der mittlerweile Generalvikar geworden war. Die Annaglocke war ein ausgezeichnetes Werk des Glockengießers, wie verschiedene Gutachten beweisen; erwähnt seien die Gutachten des Sachverständigen der Diözese Mainz, Pfarrer Vogt, aus dem Jahre 1904 und das Gutachten des Glockengießers Franz Schilling aus Apolda von 1942.
Die neue Glocke erhielt ihren Platz im neuen Turm, während man die alten Glocken schon einige Wochen vorher wieder im alten Turm aufgehängt hatte.

Auch vom Schicksal der Glocken muß berichtet werden. Von der Annaglocke war oben schon die Rede. Ein ehrwürdiges Alter haben die Petersglocke aus dem Jahr 1732 und das sog. Silberglöckchen, das ursprünglich in der Kapelle der Starkenburg hing und dessen Alter nicht ermittelt werden kann. 1877 wurden in Frankenthal die Glocken Joseph, Maria und Martin gegossen. Im Kriegsjahr 1917 mußten die drei letztgenannten Glocken als wichtiges Rohmaterial zum Bau von Kriegsgeräten ausgeliefert werden. 1926 wurden diese Glocken durch neue ersetzt, die ebenfalls die Namen Joseph, Maria und Martin bekamen. Wenige Jahre nur durften sie zur Ehre Gottes erklingen; sie erlitten im Zweiten Weltkrieg 1942 dasselbe Schicksal wie ihre Vorgängerinnen. Besonders schmerzlich war es, daß auch die Ablieferung der Annaglocke gefordert wurde. Alle Bemühungen, wenigstens diese Glocke zu retten, scheiterten.

Von einer auswärtigen Firma wurde sie vom Turm geholt, da kein Heppenheimer sich bereit erklärte, bei der Demontage zu helfen. Für die Erhaltung der Annaglocke hatte sich der in Heppenheim wohnende Wissenschaftler Walter Osswald mit großem Engagement eingesetzt. Er half auch nach dem Krieg bei der Suche nach der Annaglocke, die - auf einem Lagerplatz bei Hamburg abgestellt - offensichtlich nicht mehr zu Kriegszwecken herangezogen wurde. Doch die Glocke blieb verschollen. Es ist nicht bekannt, ob sie zerschlagen oder in der Nordsee versenkt oder gar irgendwohin verschleppt wurde.

1951 erhielt die Pfarrkirche St. Peter dank der spendenfreudigkeit der Gläubigen ihr neues Geläute aus der Glockengießerei Schilling in Heidelberg. Neben der neuen Annaglocke waren es eine Joseph-, eine Marien- und eine Martinusglocke.